Wie alles begann .... 
.... die Gründerjahre

Am 6.Sept. 1904 meldete das „Altenaer Kreisblatt“, dass in Nachrodt sangesfreudige junge Männer Unterschriften zur Gründung eines Gesangvereines sammelten.
Nach mehrfachen Besprechungen wurde Hans Stahmer als Abgeordneter zum Gemeindeamt geschickt um eine Versammlungs-Genehmigung beim Amtmann Vienemann zu erbitten. Dieser erteilte dann am 10. Okt. 1904 die Genehmigung zur Gründungsversammlung am 15.Okt. im Lokal des  Ernst Wirth zur „Rastatt“.

Gründungsmitglieder waren:

Dietrich Brenscheidt,   Heinrich Dickhaus,   Wilhelm Feye,   Christian Hänselmann,
Heinrich Schmidt,   Gerhardt Schmitz,   Hans Stahmer,   Heinrich Stark  und  Emil Wehner
.
 

Auf Vorschlag von Heinrich Stark entschied man sich für „Frohsinn“ als Vereinsname. Die Übungsstunden sollten jeden Sonntagvormittag im Vereinslokal stattfinden. Nachrodt war seinerzeit der Ortsteil unterhalb der Brücke, genannt nach dem bereits im 16. Jahrhundert zum Kelleramt gehörenden Gutshof ( heute von Löbbecke ).
Der Hof und die am nördlichsten Ende liegende Schleif- und Scheuermühle wurden 1816 durch  Johann Heinrich Schmidt gekauft. Die Fabrik wurde durch ihn und seinen Sohn Robert zu einem florierenden Unternehmen ausgebaut. Seine Enkelin Emma, verheiratet mit Robert Löbbecke, verkaufte 1873 das Werk an die Westfälische Union. Seit dieser Zeit hieß das Werk “Phönix“ und hatte damals 1260 Beschäftigte. Für Arbeiter und Angestellte hatte man Werkswohnungen auf der „Sauren Wiese“, „Am Windhügel“ und auf der „Klingestraße“ sowie die „Kolonie“ gebaut. Bis auf einige wenige Geschäftsleute waren alle Nachrodter Mitarbeiter der „Phönix“.

So wunderte es nicht, dass schon wenige Tage nach der Versammlung alle Gründungsmitglieder zu dem Werksdirektor Klinge bestellt wurden. Er sprach sehr deutlich sein Mißfallen über die Vereinsgründung aus

„.....Sind nicht schon genug Vereine in Nachrodt? Turnverein! Kriegerverein! Schützenverein!  Theaterverein! Wozu jetzt noch ein Gesangverein? Die Leute saufen doch nur am Sonntag herum und sind am Montag keine vollwertigen Arbeitskräfte in unserem Werk...“

Er bat um Auflösung des Vereins; doch die Sänger gaben nicht auf. 

Schon nach wenigen Wochen sangen 26 Männer unter ihrem ersten Dirigenten Carl Haake. Mutig maß man sich bereits nach einem Jahr im Wettstreit mit anderen Chören. Leider war ihnen noch kein Erfolg beschieden.

Im Jahre 1906 wechselte der Dirigentenstab an den Lehrer Josef Sippel. Die Leistungen des Chores stiegen beachtlich und der Chor brachte vom 2. Wettstreit in Landhausen kurze Zeit später den 2. Klassenpreis und den Ehrenpreis mit nach Hause.

Das Gesangfest zur Fahnenweihe fand unter Mitwirkung von 8 Gastchören im Jahre 1907 statt.

Das Fest stand unter dem Fahnenmotto:

"Sind wir von der Arbeit müde, bleibt noch Kraft zu einem Liede"

Im Jahre 1910 schloß sich der MGV Lasbeck mit Chorleiter Fritz Mester dem „Frohsinn“ an. Lehrer Mester, als Dirigent weit über die Heimatgrenzen hinaus bekannt , übernahm die musikalische Leitung.
Mit nunmehr 40 Sängern erzielte der MGV Frohsinn bald ein hohes Leistungsniveau.

Zum 10jährigen Stiftungsfest veranstaltete man vom 13.-15. Sept.1913 einen großen Gesangwettstreit mit 21 Vereinen und mehr als 600 Sängern.  

Während des Weltkrieges 1914-1918 kam das Vereinsleben zum Erliegen. 9 Sangesbrüder kamen aus dem Kriege nicht zurück.  Unmittelbar nach Kriegsende aktivierte man die Chorarbeit wieder und beteiligte sich schon 1919 wieder am friedlichen Sängerwettstreit in Letmathe. Lehrer Mester legte 1921 aus gesundheitlichen Gründen sein Amt nieder.

Für kurze Zeit, bis 1922, übernahm Lehrer Gerber den Dirigentenstab.

 
.... die Ära Imhoff

Mit der Wahl von  Musikdirektor Ewald Imhoff  zum neuen Chorleiter im Jahr 1922 brach für den "Frohsinn" eine neue Zeit an.

Imhoff war zu dieser Zeit bereits bei den Männerchören bekannt und auf Wettstreiten von seinen Gegnern gefürchtet. Als Sohn eines musikalischen Vaters der als Lehrer selbst einen Männerchor gegründet und geleitet hatte, wurde er schon in frühester Jugend an die Musik herangeführt. Er erweiterte sein Wissen im Lehramtsstudium um es an der Musikhochschule Köln zu vervollständigen.

Als Junglehrer übernahm er 1905 mit 23 Jahren den Gesangverein in Oestrich. Nicht zuletzt die Erfolge mit diesem Chor waren entscheidend für seine Wahl als Dirigent des "Frohsinn".
Ewald Imhoff verstand es, die ihm eigene Gründlichkeit auf jeden einzelnen Sänger zu über- tragen. So legte er Wert darauf, dass sowohl Melodie und Text  beherrscht als auch die   Charakteristik des Chorwerkes verstanden wurden. Sofern erforderlich, übte er Aussprache und Tonreinheit in kleinen Gruppen  ( stimmenweise oder als Doppelquartett ). Vor öffentlichen Auftritten waren ihm kein Zeitaufwand und keine Mühe zu groß. Der Lohn war eine ununter- brochene Erfolgskette auf 9 Wettstreiten, bis im Jahre 1934 die Austragung von Gesang-Wettstreiten untersagt wurde.

Im Jahre 1947 feierte er das 25 jährige Jubiläum als Dirigent des MGV Frohsinn Nachrodt.
Als Dank für die geleistete Arbeit wurde ihm ein Frühstückskorb überreicht; ein wertvolles Geschenk in dieser Zeit der Not, dessen Wert man heute nicht mehr ermessen kann.
Als im Jahre1948 das Verbot aufgehoben wurde, betätigte sich der "Frohsinn" mit seinem Dirigenten auch wieder als "Wettstreitjäger".

1954 feierte der MGV "Frohsinn" 3 Tage sein 50jähriges Bestehen in einem 1000 Personen fassenden Festzelt. Drei Jahre später war dieses Ereignis noch einmal Bestandteil eines Heimat- festes, bei dem Ewald Imhoff für 35jährige Dirigententätigkeit beim MGV Frohsinn  vom Präsidenten des Deutschen Sängerbundes Edmund Konsek geehrt wurde. Nur wenige Wochen nach einem überaus erfolgreichen Wettstreit am 13. September 1958 gaben wir ihm das letzte Geleit.

Der MGV "Frohsinn" verlor mit Ewald Imhoff nicht nur einen hervorragenden Dirigenten, sondern einen wahren Freund, der menschliche Beziehungen und musikalisches Wirken weit höher schätzte als ökonomisches Denken.

 

.... Prof. Dr. Gerhard Schulte

Im November 1958 wählte der MGV "Frohsinn"  Prof. Dr.Gerhard Schulte ( damals noch  Student ) zu seinem neuen Dirigenten.

Schon bei der Vorstellung überzeugte er uns durch seine hohe Musikalität, sein absolutes Gehör,
seine Ausstrahlung und sein großes Selbstbewußtsein. All dieses begeisterte nicht zuletzt auch die älteren Sangesbrüder. Gerhard Schulte knüpfte nahtlos an die 36-jährige " Ära Imhoff " an und führte uns behutsam in eine neue musikalische Welt.
Durch ihn und mit ihm wandelte sich der "Frohsinn" vom "Wettstreitjäger" zum Konzertchor.

Opern- und Operettenkonzerte mit namhaften Nachwuchssolisten oder Top - Stars wie Günter Wewel oder Joachim Kraus und guten Musikern wie das Westfälische Sinfonieorchester standen auf unserem Programm.

Zu unserer ersten Konzertreise nach Frankreich machte er uns mit der sakralen Musik des 16. Jahrhunderts bekannt. In den Kathedralen von Reims und Chartres konnten wir zum ersten
Mal die Wirkung dieser Musik auf uns und auf die Zuhörer erleben. Es war überwältigend!

Es folgten weitere Höhepunkte in Wien, in Prag und in Wrexham.
Das "high light" dürfte unser Konzert in der Matthias Kirche in Budapest gewesen sein mit dem anschließenden Empfang durch den Domherrn Erzdechant Dr. Janos Fabian. Auch unsere
letzte gemeinsame Reise in die Toskana 1995 wurde für uns zu einem unvergeßlichen Erlebnis.
Wir schätzten Gerhard Schulte aber nicht nur als unseren Dirigenten, sondern fanden in ihm einen aufrechten, intelligenten und liebenswerten Menschen und ehrlichen Freund.

Nach mehr als 40jähriger Chorleiter-Tätigkeit in Nachrodt, verstarb Prof. Dr.Gerhard Schulte  am 13. Januar 1999 nach langer, schwerer Krankheit .

 

.... Michael Knöppel

Nach dem Tod von Professor Dr. Schulte übernahm Michael Knöppel den Dirigentenstab.
Schon früh entdeckte dieser seine Liebe zur Musik. Mit 14 Jahren wurde er bereits Mitglied im Gemischten- und im Bläserchor und bald darauf auch im Männerchor.

Seine hohe Musikalität veranlaßte ihn zum Studium der Musik. Er studierte an der Universität Dortmund  für das Lehramt Sekundarstufe II, unter anderen bei unserem früheren Dirigenten Prof. Dr. Schulte und war im Anschluß daran, 2 Jahre Assistent und Mitarbeiter in dessen Tonstudio.

Prof. Dr. Schulte empfahl uns ihn auch als seinen Vertreter während seiner Krankheit. So leitete er schon im Frühjahr 1998 sein erstes Konzert mit dem "Frohsinn". Er fand mit seiner fröhlichen und charmanten Art sofort Anklang bei den Sängern, so das sich nach dem Tod von Prof. Schulte seine Übernahme als Chorleiter von selbst ergab.

An seiner Solo CD "Just One", auf der er ein 5-stimmiges Männerchor-Arrangement im Swing-Stil besingt, aufnimmt und tontechnisch bearbeitet, erkennt man seine musische Veranlagung, seine hervorragende Stimme und seine tontechnischen Fähigkeiten.
Der Deutsche Musikrat erteilte ihm den Arrangementauftrag für den 3. Chorwettbewerb.

Aus beruflichen Gründen gab Michael Knöppel das Dirigat Ende 2004 auf.
Der MGV "Frohsinn" verlor abermals einen fähigen Chorleiter.